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Ein Bericht über die 58. Wallfahrt ist im Paulinus Nr. 37 vom 12. September 2010 erschienen (hier klicken). Darin heißt es jedoch fälschlich "... Diakon Josef Britz aus Wallerfangen ...". Josef Britz ist Diakon in Wadgassen.


Weit sendet Maria ihren Friedensgruß ins Tal der Nied

 Am Sonntag nach Maria Himmelfahrt sind die Gläubigen des Grenzlandes zur Friedenswallfahrt nach Rémelfang bei Bouzonville eingeladen

Trier/Wadgassen/Rémelfang (hk). „Es war Maria, die unter der schützenden Hand Gottes unser Land vor noch größerem Unheil bewahrt hat!“ In dieser Gewissheit schworen sich Einheimische und Nachbarn diesseits und jenseits des Grenztals der Nied bei dem 200-Seelen-Dorf Rémelfang (oder Remelfangen, wie der bereits im 11. Jahrhundert erwähnte Ort Deutsch-Lothringens nahe bei Bouzonville auch heute noch vielfach genannt wird), der Gottesmutter aus Dankbarkeit eine Statue zu errichten. Und was für eine! Zehn Meter ragt das ansprechend gestaltete Monument auf einem Steinsockel in die Höhe und grüßt weit ins Tal der Nied hinein, das Lothringen und Saarland, Deutschland und Frankreich als eines der vielen kleinen schicksalsträchtigen Flusstäler unserer Region verbunden, getrennt und schließlich wieder glücklich vereint hat.

Kleines Lothringerdorf mit großem Marienglauben

In seinen französischsprachigen chronistischen Aufzeichnungen über die „Friedenswallfahrt zu unserer lieben Frau von Remelfangen“, die von Adolf Lang übersetzt wurden, hielt Abbé Kriegel, der einstige Pastor des 200-Seelen-Dorfes, unter anderem fest:

„Begünstigt durch marianische Frömmigkeit entstanden zu allen Zeiten Orte, an denen die Gottesmutter in besonderer Weise verehrt wird. Solche Stätten entwickelten sich zumeist auf Grund eines besonderen Ereignisses in Verbindung mit der während der Jahrhunderte bewahrten vertrauensvollen Zuneigung der Gläubigen zu Maria. Remelfangen, ein kleines und unbedeutendes lothringisches Dorf mit kaum 200 Einwohnern, liegt im Niedtal, fünf Kilometer westlich von Bouzonville und somit 15 Kilometer von der Grenze zum Saarland entfernt. Weder sein Gipsbergwerk noch seine Entstehung im 11. Jahrhundert wären eine Erwähnung wert, wenn nicht die nach dem Zweiten Weltkrieg begründete Wallfahrt den Ort in das Bewusstsein der Menschen gerückt hätte“

Der Tag der „Wundertätigen Medaille“ brachte Remelfangen den Frieden

„Als sich im November 1944 mit dem Vormarsch der amerikanischen Truppen auch die Kampfhandlungen dem deutsch-französischen Grenzgebiet näherten, suchten die Einwohner von Remelfangen in den Stollen des Gipsbergwerkes Zuflucht. Sie fanden dort Schutz für Leib und Leben, wollten aber als gläubige Christen ihr Schicksal auch unter Gottes schützende Hand stellen. Namens seiner Pfarrgemeinde legte der Pfarrer ein Gelübde ab und versprach, eine Marienstatue zu errichten, wenn die gesamte Bevölkerung unbeschadet Beschuss und Kämpfe um das Dorf überleben würde. Trotz der zwei Wochen andauernden Kampfhandlungen gab es weder Tote noch Verletzte unter der Bevölkerung. Am Festtag U.L. Frau von der Wundertätigen Medaille, dem 27. November 1944, rückten die Amerikaner ein, womit für Remelfangen der Krieg beendet war. In der Gemeinde war man davon überzeugt, dass die Gottesmutter offensichtlich beschützt hatte.“

Mit der Statue entwickelte sich der Wallfahrtsbrauch

Am 14. Oktober 1951, knapp sieben Jahre nach der Befreiung Lothringens durch amerikanische Truppen, war es endlich so weit: Auf dem „Marienberg“, wie sich fortan der markante Hügel hinter der uralten Dorfkirche Remelfangens nennt, wurde die Statue „Notre Dame de la Réconciliation“, die Statue „Unserer lieben Frau von der Versöhnung“, eingeweiht. Doch zum Grenzlandheiligtum, zur Wallfahrtsstätte, ja zur kleinen regionalen Berühmtheit machte sie erst ein entscheidendes Ereignis im Frühling des darauffolgenden Jahres: Der Wallerfanger Jules Reimsbach, Vorsitzender einer der regionalen Lourdes-Pilgerorganisationen, sprach bei dem Remelfanger Pastor vor und schlug vor, mit Mitgliedern seiner Pilgergruppe am 3. August 1952 nach Remelfangen zu kommen, Gottesdienst zu feiern und die Gottesmutter vor der Statue auf dem Marienberg zu verehren. Der Chronist spricht nicht zu Unrecht vom „Remelfanger Frühling 1952“.

1952 erste gemeinsame deutsch-französische Feierstunde

„Herr Julius Reimsbach, der Vorsitzende des Lourdes-Vereins aus Wallerfangen (Saar), suchte im Sommer den Ortspfarrer (von Rémelfang) auf, um ihm von seinem Vorhaben zu berichten, mit seinem Verein eine Wallfahrt nach Remelfangen veranstalten  zu wollen. So wurde die erste gemeinsame deutsch-französische Feierstunde für den 3. August 1952 vereinbart. Pfarrer Kriegel blieb diese Gebetsstunde wegen der großen Frömmigkeit der Pilger, die unter anderem den Rosenkranz kniend beteten, in besonderer Erinnerung ( ... ) Dieser Tag der ersten Gebetsstunde an der Marienstatue war somit die eigentliche Eröffnung der Wallfahrten nach Remelfangen. Seit 50 Jahren finden die Wallfahrten nun in ununterbrochener Folge alljährlich am Sonntag nach dem Hochfest Maria Himmelfahrt statt. ( ... ) So entwickelte sich der Marienberg mehr und mehr zu einer gern besuchten Pilger- und Gebetsstätte. Auf dem inzwischen vor dem Standbild errichteten Altar wird seitdem die Hl. Messe gefeiert. Es werden dort auch Andachten, Vespern und Lichterprozessionen gehalten. Vor allem wurde das Rosenkranzgebet zu einem festen Bestandteil des religiösen Lebens um den Marienberg. In den Sommermonaten kommen des öfteren Beter, allein und in Gruppen, um sich dort in einer Atmosphäre des Friedens und der Ruhe zu sammeln und zu beten.“

Am 50. Jahrestag kamen die Bischöfe von Trier und Metz

„Aus Anlass des 10. Jahrestages der Wallfahrt, am 17. August 1962, wurden die Feierlichkeiten von Abbé Simon, dem geistlichen Beirat von Pax Christi in der Diözese Metz, geleitet. Abbé Simon, gleichzeitig Pfarrer von St. Eucharius in Metz, ist ein großer Marienverehrer. In seiner Pfarrei wird der Gedenktag der Erscheinungen von Lourdes alljährlich besonders festlich begangen. Eine weitere Verknüpfung mit Lourdes wird dadurch sichtbar, dass der ehemalige Bischof von Lourdes, Msgr. Théas, der Gründer von Pax Christi war. ( ...) Dazu hatte sich eine Delegation der in Saarlouis lebenden Italiener mit ihrem Pfarrer Don Franzoi angeschlossen. Franzosen, Deutsche und Italiener, jeder in seiner Sprache, trugen ihre Gebete vor und sangen ihre Lieder, während drei Priester aus diesen Ländern das Hl. Opfer feierten. ( ... ) Die Begegnung am 10. Jahrestag der Wallfahrt war ganz vom Geist der Versöhnung geprägt und ging als besonderes Ereignis in die Annalen der Wallfahrtsgeschichte ein. ( ...) Seitdem trägt die Muttergottes von Remelfangen auch den Ehrentitel „Notre Dame de la Réconciliation“, und die Wallfahrt den Namen „Deutsch-Französische Friedenswallfahrt“. ( ... ) Die Entwicklung ist auch nach dem Ende des vorstehenden Berichtszeitraumes weitergegangen. Die Wallfahrt ( ... ) zieht jährlich ( ... ) zwischen 500 und 800 Gläubige an. Der größte Teil der Teilnehmer kommt mit 60 % aus den benachbarten Gemeinden, die übrigen Pilger aus dem gesamten lothringischen Raum bis nach Thionville und Metz. Etwa 20 % der Pilger kommen aus dem Saarland, vorwiegend aus den Pfarreien links der Saar. Dazu kleinere Gruppen aus Serrig und aus Luxemburg. ( ... ) Die Feier des 50. Jahrestages der Deutsch-Französischen Friedenswallfahrt, am 18. August 2002, wurde in Anwesenheit von Msgr. Spital, des Altbischofs von Trier, und des Bischofs von Metz, Msgr. Raffin, in besonders festlicher Weise begangen.“


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